100 Jahre Löschzug Heeren-Werve


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Vom 27. bis zum 29. Juni 2003 feierte der Löschzug Heeren-Werve sein 100 Jähriges bestehen.


Aus der Chronik zum 100 Jährigen Bestehen des Löschzuges Heeren-Werve 2003

Brandunglücke in vorausgegangenen Jahren veranlassten die Bürger der Gemeinde Heeren vor nunmehr 100 Jahren eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Hervorzuheben in diesem Zusammenhang ist die Initiative und das Engagement des damaligen Monteurs Friedrich Schmitz, der am 08.03.1903 zu diesem Zweck eine Generalversammlung einberief. 57 Heerener Bürger traten der Feuerwehr bei; zum 1. Brandmeister wurde Herr Friedrich Schmitz gewählt.

Das erste Gerätehaus, der der neu gegründeten Feuerwehr zur Verfügung gestellt wurde, befand sich „Im Winkel“ gegenüber der alten Post. Aufgrund der von den Feuerwehrkameraden für ihrer Aufgaben benötigten Ausrüstung und Gerätschaften und des damit verbundenen Platzaufwandes, stellte sich schon bald heraus, dass die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten diesen Erfordernissen nicht mehr Genüge tun konnten. Die Wehr stellte daher schon im Jahre 1904 einen Antrag auf ein neues Grätehaus.

1910 wurden der Feuerwehr Heeren endlich entsprechende Räumlichkeiten im jetzigen Gemeindehaus zur Verfügung gestellt. Neben dem Gemeindehaus wurde ein aus Eisen bestehender Steigturm mit einer Schlauchtrockenanlage erbaut. Die Einweihungsfeierlichkeiten fanden am 05.06.1910 statt. Mit Unterstützung der Gemeinde wurden die Ausrüstung und die Gerätschaften der Wehr in den Folgejahren ständig modernisiert.

Bis zum Jahre 1936 rückten die Wehrmänner mit pferdebespannter Handdruckspritze, Schlauchhaspel und Leiterwagen aus. Im Jahre 1936 wurde die 1. Kraftspritze mit Zugwagen – ein 8-sitziger „Maybach“ – angeschafft. 1939 bekam die Feuerwehr dann ihr erstes Fahrzeug – ein sog. LF (Löschfahrzeug) 8. Ein Jahr später, 1940, wurde noch ein LF 15 in den Dienst der Feuerwehr gestellt, welches erst im Jahre 1964 endgültig ausgemustert wurde.

Die Zahl der aktiven Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Heeren wuchs ständig, so dass eine Erweiterung des Gerätehauses nicht mehr zu umgehen war. 1943 wurden die dreiteilige Garage und die Schlauchwäsche nebst Schlauchlage großzügig ausgebaut. Durch die Stationierung einiger Sonderfahrzeuge im Gerätehaus der Feuerwehr an der Mittelstraße in Heeren wurde die Gemeinde zu einem Hauptstützpunkt des Amtes Unna-Kamen und des ganzen Kreises Unna.

In Heeren war die Kreisschlauchpflege untergebracht. Für die Kreisschlauchpflege wurde ein TLF 16/25 angeschafft, das einzige im Kreis Unna. Das Fahrzeug wurde von den Bediensteten der Kreisschlauchpflege besetzt und zusätzlich von den freiwilligen Feuerwehrleuten aus Heeren unterstützt. Außerdem waren noch ein Schlauchwechselwagen und ein Ölwehrfahrzeug in der Kreisschlauchpflege stationiert. Der Einsatzbereich umfasste den ganzen Kreis Unna und auf der Autobahn fuhr man bis nach Beckum.

Da zu dieser Zeit Heeren und Werve noch getrennte Stadtteile waren, gründete der Stadtteil Werve am 27. März 1909 ebenfalls eine freiwillige Feuerwehr. 4 Kameraden erschienen zur Gründungsversammlung, die Herrn Heinrich Timmermann zum Brandmeister wählten. Das erste Gerätehaus des Stadtteiles Werve befand sich in der Sedanstraße – heute Werver Platz – und diente der Feuerwehr als Domizil. Ab 1928 konnte die Feuerwehr Werve das neu errichtete Gerätehaus im Südfeld – heute als Wohnhaus genutzt – beziehen. Die erst spärlich zur Verfügung stehende Gerätschaft und Ausrüstung  der Feuerwehrkameraden von Werve wurde mit finanzieller und ideeller Unterstützung der Gemeinde ständig modernisiert, so dass, nach den primitiven Anfängen, im Jahr 1943 dann der Durchbruch zur Motorisierung stattfand. Hatte man bis dato mit einem pferdebespannten Gerätewagen mit „Protze“ und dem Schlauchwagen mit der Spritze auskommen müssen, stand der Gruppe jetzt bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1948 ein Motorfahrzeug zur Verfügung.

Der gemeinsame Weg der beiden Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinden Heeren und Werve begann ab dem Jahr 1911, als die beiden bisher selbstständigen Gemeinden zusammengeschlossen wurden. Die beiden Löschgruppen wurden zum Löschzug Heeren-Werve zusammengefasst. Oberbrandmeister Heinrich Schmidt wurde Löschzugführer. Zunächst wurde den beiden Löschgruppen soweit wie möglich ihrer Eigenständigkeit belassen. Bedingt durch die Kriegsjahre 1939 – 1945 wurden die Modernisierung und die Motorisierung der Feuerwehren ständig ausgebaut. Zwar wurde hierdurch die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren ständig vorangetrieben, die Kehrseite der Medaille war aber, dass manche gute Löschgruppe ihre Eigenständigkeit verlor. Aus diesem Grunde kehrte mancher guter, aber frustrierter, Feuerwehrmann wegen der verlorenen Eigenständigkeit den Wehren den Rücken.

Im Jahre 1949 wurden die beiden Löschgruppen Heeren und Werve endgültig zu einem Löschzug zusammengefasst. Als Domizil diente ab diesem Zeitpunkt nur noch das Gerätehaus an der Mittelstr. Die Modernisierung und die damit verbundene Modernisierung der Feuerwehren wurden auch nach den Kriegsjahren ständig ausgebaut. 1951 bekam der Löschzug ein TLF (Tanklöschfahrzeug) 15, das vom Kreis Unna finanziert und angeschafft wurde. Aus diesem Grunde mussten die gesamten Einsätze im damaligen Kreisgebiet von der Heerener Feuerwehr gefahren werden. 1959 wurde der bestehende Fuhrpark mit einer DL (Drehleiter) 18, die erst im Jahre 1994 dem Feuerwehrmuseum in Selm-Cappenberg als eines der dienstältesten Feuerwehrfahrzeuge dieser Bauart in Nordrhein-Westfalen leihweise zu Ausstellungszwecken zur Verfügung gestellt wurde, erweitert. Weiterhin kamen in den Jahren 1966 ein geländegängiges LF 8-TS (mit zusätzlicher Tragkraftspritze), 1974 als Ersatz für das vorhandene TLF 15 ein TLF 16 und 1975 ein ELW (Einsatzleitwagen) hinzu.

Bedingt durch den zunehmenden Straßenverkehr wurde der Löschzug Heeren-Werve immer öfter auch zu Einsätzen bei Verkehrsunfällen hinzugezogen, wobei bei nächtlichen Einsätzen die schlechte Ausleuchtung der Einsatzstelle immer mehr zu einem Problem wurde. Die Kameraden des Löschzuges fertigten in Eigeninitiative für die Drehleiter eine Beleuchtungseinrichtung. 2000 Watt sorgten dann für eine entsprechende Ausleuchtung des jeweiligen Einsatzortes. Die Lampen konnten über das Stromnetz oder unter Zuhilfenahme eines Stromaggregates in Betrieb genommen werden. Mit dem Stromaggregat konnte daneben noch ein Winkelschleifer angetrieben werden, der den Einsatz eines „Autogen-Brenngerätes“ bei der Rettung eingeklemmter Personen bei Verkehrsunfällen überflüssig machte. Um diese Gerätschaften transportieren zu können wurde erst ein gebrauchter Einsatzwagen der Polizei und später dann ein TS-Anhänger von den Feuerwehrkameraden umgebaut. Ein weiterer Anhänger der als Küchenwagen u „Ganztagsdiensten“ und größeren Veranstaltungen zum Einsatz kam, wurde ebenfalls in Eigenregie umgebaut und entsprechend eingerichtet.

Hieraus ist ersichtlich, dass die Feuerwehrkameraden nicht nur Ausrüstungsgegenstände vom zuständigen Feuerschutzträger forderten, sondern durchaus in der Lage waren, und auch heute noch sind, benötigte Gerätschaften in Eigenregie herzustellen.

Die Aufgaben der Feuerwehr erschöpften sich in früherer Zeit hauptsächlich im Löschen von Bränden und der Rettung bzw. der Bergung von Menschen, Tieren und dem Erhalt von Hab und Gut der Geschädigten. Darüber hinaus wurden die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Heeren-Werve im letzten Weltkrieg nicht nur bei Einsätzen innerhalb der Gemeinde Heeren-Werve, sondern auch oftmals zur Bekämpfung von Bränden in anderen Städten und Gemeinden mitalarmiert. So wurden Männer der Freiwilligen Feuerwehr u. a. auch in Dortmund, Hagen, Hamm, ja sogar in Köln zum Einsatz gerufen. Aber auch in Friedenszeiten werden die Wehrleute häufig zur Unterstützung anderer Wehren in den Nachbahrgemeinden gerufen.

Im Laufe der Zeit wandelten sich die Aufgaben der Feuerwehren. Die Feuerwehr wurde „Mädchen für Alles“. Damit aber die Kameradschaft nicht zu kurz kam, wurden einige Festlichkeiten Tradition. So wurde lange Zeit eine Weihnachtsfeier mit den Ehefrauen durchgeführt. Auch der erste Dienst des neuen Jahres wurde so zu einem geselligen Treffen. 1978 wurde erstmalig das 75jährige Bestehen gefeiert. Das Fest erstreckte sich über drei Tage. Dieses Fest war noch lange in aller Munde.

Nach und nach machte die Emanzipation auch bei der Feuerwehr keinen halt. So ist es nicht verwunderlich, dass seit einigern Jahren auch Frauen bei der Feuerwehr aufgenommen werden.

Damit die Gemeinde auch stets an der Arbeit der Feuerwehr teilhaben kann werden alle zwei Jahre ein Tag der offenen Tür veranstaltet. Dieser ist zwar mit viel Aufwand und Arbeit verbunden, wurde aber von der Gemeinde immer gut angenommen.

Ende der 80er Jahre wurde noch ein Schwerpunkt der Feuerwehr übertragen: Die Brandschutzerziehung in Kindergärten und Grundschulen. Dieses wird bis zum heutigen Tag weitergeführt.

Heute ist es selbstverständlich, dass die Feuerwehr bei Verkehrsunfällen, Wasserschäden, Rettung von Menschen und Tieren, den Erhalt und der Bergung von Hab und Gut der Geschädigten und bei anderen Notständen zur Hilfe gerufen wird. Entsprechend hat sich auch die Ausrüstung und die Schulung der Feuerwehrkameraden ständig gewandelt.

Nur ständige Schulungen und Fortbildungsmaßnamen befähigen die Feuerwehrmänner und Fragen von heute mit ihren verschiedenen Aufgaben fertig zu werden. Brennende Häuser und Wohnungen, verunglückte Autos mit eingeklemmten Personen, umgestürzte Tankwagen, brennende Reifenlager, der Umgang mit radioaktiven Materialien etc. stellen die Feuerwehr täglich vor neue Aufgaben, für die der Einsatzleiter und seiner Kameraden in Sekundenschnelle die „bestmögliche, billigste und sicherste“ Lösung finden müssen. Diese Problematik wurde auch von der Gemeindevertretung Heeren rechtzeitig erkannt. Sie sah, dass in einem Gerätehaus nicht nur die Fahrzeuge und Gerätschaften der Feuerwehr untergebracht, sondern das den Kameraden auch entsprechende Räumlichkeiten für die Schulung zur Verfügung gestellt werden müssen. Im Jahre 1962 konnte der Löschzug Heeren-Werve dann endlich auch das heute noch benutzte moderne Gerätehaus mit Schulungsraum, Dusch- und Waschraum, Kleiderkammer, Werkstatt und vier geräumigen Einstellplätzen übernehmen. Wieder in Eigenregie haben die Feuerwehrkameraden in den 80er Jahren umfangreiche Umbauarbeiten an ihrem Gerätehaus an der Mittelstr. Vorgenommen, so das Nachbesprechungen nach Einsätzen, interne Probleme oder auch nur einfache Kameradschaftspflege im entsprechenden Ambiente durchführt werden kann. Einen Teil der Räumlichkeiten haben die aktiven Wehrleute ihrem Nachwuchs zur Verfügung gestellt.

Damit wurde die Jugendfeuerwehr ein unverzichtbarer Bestandteil der Freiwilligen Feuerwehr Heeren-Werve, der  seit den 80er Jahren auch einen entsprechenden Schulungsraum ihr eigen nennen können.

Im Jahre 1999 wurden die sperrigen und hölzernen Fahrzeugtore des Gerätehauses mit tatkräftiger Unterstützung des Löschzuges (Ausbau der alten Hallentore) durch moderne und bequemere elektronische Rolltore ersetzt. Auch haben die Feuerwehren die Zeichen der Zeit erkannt und mit der allgemeinen Computerisierung der Gesellschaft hat auch die Freiwillige Feuerwehr seit einigen Jahren einen Computer in ihrem Büroraum, auf dem Einsatzberichte, Statistiken, Übungsdienste etc. erfasst werden. Seit dem Jahr 2002 befindet sich im Gerätehaus auch ein so genannter Alarmdrucker, der im Einsatzfall die Feuerwehrleute auf dem schnellsten Weg über den zu fahrenden Einsatz mit Informationen versorgt.

Weiterhin sei noch zu erwähnen, dass die Freiwillige Feuerwehr Heeren-Werve auch stets Partnerschaften zu auswärtigen Feuerwehren gepflegt hat, so unter anderem zu der Feuerwehr Pansdorf in Norddeutschland, zur „Fire Brigade“ Bradford in West-Yorkshire / Grosbritannien sowie seit nunmehr über zehn Jahren auch zur Feuerwehr in Beeskow, einer Kreisstadt in Brandenburg.